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22. Februar - 28. März 2008

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Robbert Ewers

 
KEINE SCHRIFTSTÜCKE

Die Bildwerke von Robbert Ewers setzen die Elemente Sprache, Kolorit, Bildträger, Format und Rahmen in Beziehung zueinander. Die Farbe ist meist gleichmäßig und monochrom aufgetragen, es wurde eine Typografie ausgewählt, aus Folie gecuttet und appliziert, dann häufig gerahmt. Der Text findet im Bildwerk statt, er muß nicht als Bildtitel hinzugefügt werden. Die persönliche Note des Künstlers ist ausgesprochen reduziert.

Was unterscheidet ein Bild von einem Schriftstück?
Bei einem gegenständlichen ebenso wie bei einem abstrahierendem Werk schweift der Blick des Betrachters über das Bild, erfasst nacheinander seine Einzelteile, stellt Beziehungen zwischen ihnen her, die veränderbar sind. Das gegenständliche oder abstrakte Bild dokumentiert die Vorstellung des Künstlers von einer Sache.
Zu Beginn des 3.Jahrtausends, also im postgegenständlichen, postabstrakten und auch postkonkreten Zeitalter lässt sich das Bildwerk nicht mehr einfach durch just diese Begriffe definieren. Mit dem Schreiben begann das begriffliche Denken und so muss die Entzifferung eines Schriftstücks etwas anderes als die Entzifferung eines darstellenden Bildes sein. Ein Wort oder ein Begriff entspricht einer allgemeinen und einer individuellen Vorstellung von einer Sache.
Für das Verständnis von Robbert Ewers Bildwerken ist das begriffliche Denken Voraussetzung. Wir beginnen zunächst zu lesen, fügen uns erst einmal der linearen Struktur der Schrift. Hiernach bemerken wir die Eigenheiten und das Verhältnis von Format, Kolorit und Rahmen zum Begriff. Wir gehen also erst nach dem Lesen zum Schauen über. Möglicherweise steht zwischen Lesen und Schauen noch die individuelle Vorstellung, die der in Schrift gesetzte Begriff in uns provoziert. Das heißt: Vor dem Prozess der physischen Wahrnehmung eines Bildes von Robbert Ewers steht eine gedankliche Leistung.

Astrid Petermeier [Kunsthistorikerin]