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30. Januar - 7. März 2009

Süsse Gespräche

Ulli Rödder

Den Schwerpunkt der Ausstellung bilden Installationen der Reihe „Süße Gespräche“ auf der ersten Ebene. Malerei und Collagen aus der Werkvielfalt des Künstlers befinden sich auf der zweiten Ebene.

Im Zentrum Ulli Rödders Installation "Süße Gespräche" befindet sich eine Telefonanlage aus den 50er Jahren. Von ihr geht ein Gewirr an Kabeln aus zu einer Vielzahl an Endgeräten. Trotz scheinbarer Unordnung bleibt die Technik durchschaubar. Jeder ausgehenden Leitung ist ein Empfangsgerät zugeordnet. Mit der Wählscheibe können die Empfangsgeräte miteinander Kontakt aufnehmen. Die Zentrale sorgt für die Verbindung der einzelnen Endgeräte untereinander mittels einer Tastatur. Numerisch sind die Endgeräte der Tastatur zugeordnet; ein Lichttableau informiert über den Verbindungsstatus. Einzig irritierend sind die über die Zuleitungen geworfenen Magnetbänder, die sich als den bildhaften Verweis auf "hier werden Daten ausgetauscht und möglicherweise gespeichert" entpuppen.
Verwirrt ist man, wenn man versucht mit einem Anschluß Kontakt aufzunehmen. Die gewünschte Verbindung kommt nicht zustande. Stattdessen wird man mit einem anderen Gerät verbunden - Falsch Verbunden. Beim nächsten Versuch desgleichen und immersofort.
 
Konsequent überträgt Ulli Rödder die Einflußnahme von außen auf heutige Telekommunikation in sein Kunstwerk.
Der Liebreiz der verwendeten antiquierten Telefonapparate täuscht den Anwender über die tatsächlich im Hintergrund laufenden Vorgänge und können als das Äquivalent zu technischen und vieles versprechenden Spielereien heutiger digitaler Endgeräte verstanden werden.
Dieser gekonnte Rückgriff Ulli Rödders auf die Technik der 50er Jahre, als Telekommunikation noch nachvollziehbar schien, als man noch davon ausgehen konnte, dass, hängte man den Hörer ein, die Verbindung tatsächlich beendet war, verdeutlicht die Hilflosigkeit des Menschen gegenüber einer Technik, bei der der ürsprüngliche Sinn und Zweck in den Hintergrund tritt.
Daten, gegen deren Auswertung der Sender sich nicht wehren kann, fließen an Empfänger, die nicht gewollt sind. Der ursprüngliche Zweck wird somit zur Staffage.
(Ralph Marquass)
 
"Längst ist es mehr Last als Lust: Unsere digitale Welt macht uns überall erreichbar. [...] Doch wer denkt schon daran, was für einen Datenschweif wir mit unserer täglichen Kommunikation hinter uns herziehen - jederzeit von jedermann einsehbar, zu speichern und zu missbrauchen. [...]
Nicht nur öffentliche Stellen, nein, ein ganzer Markt ist dazu entstanden, uns immer gläserner zu machen. Ganze Berufsgruppen arbeiten daran, uns für ihre Zwecke zu nutzen, uns auszunutzen.[...]
Meine Installationen sollen anregen über unser Kommunikationsverhalten nachzudenken, unsere Fernkommunikation bewußter zu nutzen, wenn möglich, sie auf das mindestmögliche Maß zu beschränken."
 
(Ulli Rödder)