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21. Juni - 11. Juli 2008

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FSK18

1. queer erotic art exhibition / Gruppenausstellung

Künstlerliste:

J. Jackie Baier
Walter Bruno Brix
Paul Kremp
Ralph Marquass
Muskboy
Aron de Nagy
Tim Schimming
Hannes Steinert

Was ist erotische Kunst und was grenzt sie von der Pornographie ab?
Aus unserer Sicht ist die erotische Kunst voll schöpferischer Phantasie, für das Auge ein Vergnügen, die Sinne zart anflehend, ohne das Feingefühl zu verletzen, zum großen Teil voller Witz und Humor und eine geradezu unendliche Mannigfaltigkeit erotischer Möglichkeiten darstellend, die keine physischen Grenzen kennt.

Im Gegensatz dazu ist Pornographie defizitär, und pornographische Fotos und Filme haben den Nachteil, dass sie letzten Endes auf der Wirklichkeit von Haut und Knochen, Zeit und Raum beruhen. Es ist also fast unmöglich, das von außen Wahrnehmbare mit erotischer Phantasie in Konkurrenz zu stellen, weil letztere nicht nur an die Sinne appelliert, sondern an den Geist und nicht selten auch an das Herz.

Erotische Kunst kann jenseits des Dargestellten eine soziale oder politische Bedeutung oder Aussage haben. So befasst sie sich nicht nur mit sogenannter gesunder, normaler Sexualität. Fetischismus, Sadismus, Masochismus und andere Abweichungen spielen eine nicht unerhebliche Rolle, welche nichtsdestoweniger eine nützliche Funktion erfüllen - zum einen als eine harmlose Befreiung für den Künstler selbst und zum anderen, mittels stellvertretender Teilnahme, auch für den Beschauer.

Erotische Kunst bedarf nicht einer Entschuldigung oder eines gutmachenden sozialen Werts, um ihre Existenz zu rechtfertigen.

In dieser Welt werden wir heute mehr denn je von Problemen bedrängt, und wenn sexuelle Wünsche Anklang finden, so ist das ein Hoffnungsstrahl und bedeutet das Glück, Sorgen vergessen und vergängliche Augenblicke geniessen zu können.
Wenn das als ein Entrinnen in eine andere Welt gilt, so tragen Körper und Geist keinen Schaden davon, zumindest dann nicht, wenn wir umsichtig mit ihnen umgehen. Und dies scheint uns besser als das verantwortungslose Vergessen in Alkohol und Rauschgift oder durch gewaltsames Abreagieren.

Es erinnert uns daran, dass wir in der Liebe wie im Tod alle gleich sind, dass trotz aller Unterschiede uns ein gemeinsames Band zusammenhält, dass inmitten von Missverständnissen aller Art vielleicht Harmonie und Verstehen sein kann, dass in dem Augenblick der Geschichte, da wir vor allen Dingen von der blossen Tatsache zu vieler Menschen auf engem Raum bedroht werden, wir doch noch die Meister unseres Schicksals sind, indem wir uns das sexuelle Leben auf eine intelligente und phantasiereichere Weise gestalten können, statt es nur blind, unüberlegt und instinktiv treiben zu lassen.

Dementsprechend sollte diese Ausstellung nicht nur unter ästhetischen Gesichtspunkten betrachtet werden oder unter dem Aspekt, wie sie die aktuelle Kunstlandschaft bereichert. Sie möge – so hoffen wir zumindest – darüber hinaus auch verstanden werden als ein dringendes Gesuch um Toleranz und uneingeschränkte Ausdrucksfreiheit und als eine Möglichkeit, aus einem vielleicht neuen Blickwinkel über die Beziehungen der Menschen zueinander und zu den sie umgebenden Lebenswirklichkeiten nachzudenken.

[Ralph Marquass]