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20. Februar 2010 - 04. April 2010

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berlin

Bogi Bell - Fotografie

Finissage: Sonntag, 04.April, 15.00 - 18.00 Uhr

FENZkunstraum
Zechenstr. 11
51103 Köln

Öffnungszeiten: Dienstag - Donnerstag 16.00 - 19.00 Uhr und n.V

Anfahrt siehe unter "KONTAKT".
Parkplätze an der Galerie.


Einsam und verlassen scheint uns der urbane Raum und ebenso einsam und verlassen der Mensch in ihm.
Was ist es, das uns vertraute Orte in Bogi Bells Fotografien so seltsam und fremd, mitunter bedrohlich erscheinen lässt?
Die, mit einer Horizon 202 aufgenommenen Schwarz-weiß Bilder Ihrer Serie „Randgestalten“ lassen es erahnen.

Die zumeist öffentlichen Räume wirken fest, trutzig und dem Menschen gleichgültig  gegenüber.
Über der gesamten Szenerie liegt eine melancholische Stille.
Ist eine Person zugegen - Nein, sie wird sich hier nicht lange aufhalten, sie wird bald wieder gehen -  verliert sie sich an den Rand gedrängt in dem sie umgebenden Raum.
Da wo der Mensch den Ort durchschreitet, wo er innehält oder sich auf einer Bank niederlässt wirkt er seltsam erstarrt  und scheint ein wenig deplatziert und seiner Umgebung zu widersprechen.

Dennoch sind Bogi Bells Arbeiten nicht wie man vermuten könnte inszeniert, sondern authentische Zeugen der Gegenwart, denen die Aura eines unwiederbringlichen Gestern anhaftet.
Das Fehlen von Farbe, als auch das Panorama-Format bestärken die Atmosphäre einer zeitlosen, vom Menschen unabhängigen Dauerhaftigkeit, der der Mensch als flüchtiger, vergänglicher Moment gegenübergestellt ist.
Vielleicht hinterlässt der Mensch Spuren, aber so wie er selbst, werden auch sie verschwinden.

Dieses Motiv findet sich nicht nur in den „Randgestalten“, sondern durchzieht das gesamte Schaffen der Künstlerin.
In all Ihren Werken erzählt uns Bogi Bell von dem Kommen und Gehen des Menschen. Sie berichtet uns von dem Verhältnis des Menschen zu einander, zu sich selbst und zu seiner Umgebung.
Das fotografisch Festgehaltene, augenscheinlich Alltägliche, Banale wandelt sich in Bogi Bells Werken zur Tragödie oder Komödie, je nachdem, und stellt die Frage nach dem Menschsein überhaupt.

Dieses zu verdeutlichen, ließ Bogi Bell den reinen Pfad der Fotografie verlassen.

In dem auf ein Jahr angelegtem Projekt „me in a suitcase“ spürt sie dem Menschsein auf eine andere Art und Weise nach.
Am 19. August 2006 schickte Bogi Bell einen Koffer leeren Inhalts auf Reisen. Mit der Bitte den Koffer nach einer Woche an eine beliebige Person weiterzureichen, konnte der neue Besitzer, was immer er wollte, in diesen Koffer packen.
Am 19. August 2007 fand der Koffer seinen Weg zurück und landete unversehrt wieder bei der Künstlerin. Er hatte in diesem Zeitraum 30 Stationen passiert. Bogi Bell hatte jeweils die 30 Kurzzeit-Besitzer besucht und sie samt Koffer und Inhalt portraitiert.


In Bogi Bells neuestem Werk „buried in oblivion“ wird das vormals erwähnte „Verschwinden“ besonders verdeutlicht.
Schwarz-Weiß Portraits aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts steckt die Künstlerin in Apothekerampullen, fügt einen zersetzenden Stoff hinzu und verschließt sie zuletzt mit einem Glasstopfen.
Als Installation in Szene gesetzt, bleiben die Fotografien ihrem Schicksal überlassen und der eingeleitete Zersetzungsprozess lässt die Portraits und seine Menschen allmählich verschwinden.

Ralph Marquass